Stiftung NAK-Humanitas
Neuapostolische Kirche Schweiz

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Verstehen und verstanden werden
02.02.2016 / Zürich/Schweiz
Für Gehörlose ist ein Telefonanruf über die Vermittlung oft der einzige Weg zu einer sofortigen und klärenden Verständigung. Verstehen und verstanden werden – darauf ist jeder Mensch angewiesen! Dank der Gehörlosenzentrale sind Gehörlose heute in ihrem Alltag viel selbständiger, und die klare Verständigung über die Telefonvermittlung ist eine direkte Hilfe zur Selbsthilfe und zur Integration.

Stellen Sie sich vor, Sie können nicht telefonieren und jemanden spontan anrufen? Sie können weder den Hausarzt erreichen, noch rasch einen Termin abmachen oder etwas abklären? Ein Telefonanruf ermöglicht das direkte Gespräch, das oft nicht durch E-Mail oder SMS ersetzt werden kann. Ohne Telefon wäre man in vielen Situationen wirklich aufgeschmissen.  

Seit 1989 können Gehörlose mit einem Schreibtelefon den Vermittlungsdienst der Gehörlosenzentrale anrufen. Die Telefonvermittlerin «übersetzt» das Gespräch simultan, indem sie einerseits der hörenden Person am Hörer vorliest und andererseits das, was der hörende Teilnehmer spricht, für die gehörlose Person zeitgleich ins Schreibtelefon tippt. So können im telefonischen Dialog wichtige Fragen rasch und unkompliziert geklärt werden. Oft geht es dabei um akute Probleme. Speziell von Gehörlosen in schwierigen Lebenssituationen wird unsere Hilfe heute immer öfter und dringender beansprucht.  

Seit 2007 bietet die Gehörlosenzentrale ein chatbasiertes Internet-Vermittlungssystem über eine sichere und verschlüsselte Onlineverbindung an. Diese moderne Technik löst immer mehr das gute alte Schreibtelefon ab. Gehörlose können sich ohne Zusatzgerät oder Installationen einfach über die Homepage www.gehörlosenzentrale.ch von jedem Computer aus bei der Gehörlosenzentrale einloggen und die Vermittlerin übersetzt sofort das Telefongespräch mit der gewünschten Person. Inzwischen nutzt die überwiegende Mehrheit unserer gehörlosen Benützer/‑innen diesen Onlinedienst.  

«Blindheit trennt von den Dingen, Gehörlosigkeit trennt von den Menschen.»

Dieses Zitat der taubblinden Helen Keller verdeutlicht dramatisch die Situation, die Menschen ohne – oder mit stark eingeschränktem – Hörvermögen täglich erleben, denn Gehörlosigkeit ist vor allem eine Kommunikationsbehinderung. In der Schweiz leben rund 10'000 Personen mit dieser unsichtbaren Behinderung.

Der Begriff Gehörlosigkeit bezeichnet das vollständige oder weitgehende Fehlen des Gehörs bei Menschen. Das Wort gehörlos entstand erst nach der Einführung der allgemeinen Schulbildung tauber Kinder im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts als Begriff für einen Taubstummen, der durch eine unermüdliche Sprecherziehung entstummt worden ist. Daher hat das Wort die Bedeutung von "taub, aber sprechend" erlangt, und taube Schulentlassene und Erwachsene werden als "Gehörlose" bezeichnet.

Gehörlosigkeit als Begriff wurde im deutschen Sprachraum mit Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend synonym oder anstelle von Taubheit verwendet. Von Taubheit spricht man, wenn die betroffene Person keine akustische Wahrnehmung mehr hat. Taubheit kann unilateral, d.h. auf nur einem Ohr wie auch bilateral, d.h. beidseitig vorkommen.

Die Stiftung Alexander Graham Bell setzt sich seit bald 20 Jahren für eine bessere Kommunikation von gehörlosen Menschen ein.

Die Stiftung NAK-Humanitas unterstützte diese wichtige Dienstleistung für gehörlose Menschen mit einem Beitrag von CHF 5‘000.-.